Exkursionen
In Kooperation mit den Geologischen Diensten MV, NI und SH
Am Donnerstag, 20.05.2027, bieten wir drei große Ganztagsexkursionen (E1-E3) ins Umland an. Freitag, 21.05.2027 finden die Halbtagsexkursionen (E4-E7) statt.
E1 - Wanzeberg, Rueterberg, Maliss, Conow (MV)
Geologie und Bergbau im Mineraldistrikt Südwest-Mecklenburg (Dr. Karsten Obst, Dr. Andreas Börner, Karsten Schütze et al.)
Der Mineraldistrikt Südwestmecklenburg ist ein historisch und geologisch bedeutsames Bergbaugebiet rund um den Wanzeberg bei den Ortschaften Malliß und Conow (südwestlicher Landkreis Ludwigslust-Parchim). Aufgrund intensivem Salzaufstiegs kam es zu einer für den norddeutschen Raum außergewöhnlichen Anreicherungen verschiedener Bodenschätze, die seit dem Mittelalter gewonnen wurden. Die historische Salzgewinnung aus einer Solequelle bei Conow begann bereits im Jahr 1307. Später wurden Glassande, Tone zur Alaungewinnung, Braunkohle, Gips sowie Kali- und Steinsalze abgebaut.
Restaurierte Stollenmundlöcher wie der Marienstollen sind Zeugnisse der zwischen 1817 und 1960 im Tiefbau geförderten miozänen Braunkohle. Zwischen 1900 und 1926 wurden drei Salzbergwerke in den Salzstöcken Lübtheen und Conow betrieben, die teilweise infolge von Wasserzutritten aufgegeben bzw. aufgrund von Überkapazitäten stillgelegt werden mussten. In den Randsenken lagerten sich neben Kiesen und Quarzsanden sowie plastischen Tonen auch mehrere Dekameter mächtige Kohleschichten ab. Ein Flöz dieser Diatomeenkohle von Lübtheen wurde als Scholle glazial umgelagert und ist heute noch bei Rüterberg an der Elbe reliktisch überliefert. Zudem ist in der ehemaligen Tongrube, einem Nationalen Geotop, ein Tropfenboden aufgeschlossen, der das Auftauen von eisfreiem Dauerfrostboden im weichselzeitlichen Periglazialgebiet dokumentiert.

E2 - Elbe-Weser Exkursion
Exkursion ins Elbe-Weser-Dreieck zur Erkundung der quartären Formungsdynamik, Hydrogeologie und Moorlandschaften Nordwest-Niedersachsens (Dr. Robert Schöner, Dr. Jörg Elbracht et al., LBEG)
Die Exkursion führt ins Elbe-Weser-Dreieck. In den Niederungsgebieten und Moränenbereichen Nordwest‑Niedersachsens werden typische Formen der norddeutschen Quartärgeologie und der Hydrogeologie besucht. Ein weiterer Aspekt sind die weit verbreiteten Moorstandorte, die als hydrologische Speicher und als Archive holozäner Landschaftsentwicklung dienen. Besonders prägend sind die glazigenen Rinnen und glazialtektonischen Strukturen, ein Schwerpunkt liegt naturgemäß auf den stratigraphischen Abschnitten der Mittleren und Jüngere Saale. Die Exkursion vermittelt damit einen kompakten Überblick über die quartäre Formungsdynamik, die hydrogeologischen Systeme und die Rohstoffgeologie des nordwest-niedersächsischen Tieflands.
E3 - Ahrensburg - Bad Segeberg
Die oberflächennahe Geologie zwischen Ahrensburg und Bad Segeberg. Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal, pleistozäne Ablagerungen im Raum Oering-Krems-Fahrenkrug, Karsthöhle Bad Segeberg (Dr. Kay Krienke, Patrick Ahlers, Dr. Patricia Slabon, Bernd Burbaum, Dr. Christof Liebermann et al. LfU), (Dr. Sönke Hartz, ehemals Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein)
Die Exkursion führt vom weichselkaltzeitlich angelegten Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal über einen Tagesaufschluss mit Sedimenten der Saale- und Weichsel-Kaltzeit bis zum Kalkberg und der Kalkberghöhle von Bad Segeberg aus Ablagerungen des Zechsteins.
Das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal wurde durch die Entdeckung eines paläolithischen Rentierjäger-Lagers durch Alfred Rust im Jahr 1931 international bekannt. Während einer etwa 3,5 Kilometer langen Wanderung erfolgen Erläuterungen zur Glazialgeologie, zur spätglazialen und holozänen Entwicklung und zur Archäologie des Gebietes.
Die Exkursion führt weiter durch das Östliche Hügelland nahe der Maximalausdehnung des jüngsten Glazials. Es dominiert eine kuppige weichselzeitliche Grundmoränenlandschaft, die durch partiell vermoorte Schmelzwassertäler und Niederungen mit Beckenablagerungen (Bargteheide) untergliedert wird. Lokal folgen unter einem geringmächtigen weichselzeitlichen Till Ablagerungen saalezeitlicher Schmelzwassersande (Oering, Krems) oder Sedimente der Saale-Vergletscherung ragen als Kuppen hervor (Klingberg bei Sülfeld). Die lokalen Lagerungsverhältnisse werden an einem Tagesaufschluss besichtigt. Westlich von Bad Segeberg im Bereich Traveniederung / Fahrenkrug werden Ergebnisse einer Baugrunduntersuchung vorgestellt, die mit Ablagerungen der Saale- und der Weichsel-Kaltzeit und des Eems hier die Geologie der oberen 50 Meter abbilden.
Die Exkursion endet mit der Besichtigung des Kalkberges und der Karsthöhle in Bad Segeberg. Der Segeberger Kalkberg bildet die aufgeschlossene Dachregion eines Salzstocks, der hauptsächlich aus Gips-Anhydrit-Gestein des jüngeren Zechsteins (Leine-Formation) besteht. Der Salzstock-Top ist lokal durch intensive Verkarstung geprägt. Die auch faunistisch bedeutende Segeberger Höhle ist die nördlichste bekannte Sulfatkarsthöhle und Schauhöhle Deutschlands. Sie besitzt ein vielfältiges Inventar an Karsterscheinungen.

E4 - Fa. Manzke, Volkstorf (Vastorf) und ggf. Gifkendorf (Vastorf)
Vom Rohstoff zum Baustoff: Sandabbau und Rekultivierung im Raum Volkstorf; anschließend ggf. Besuch des Abbaus der Fa. Lütchens in Tangendorf (Alexandra Meyer (LBEG), Sven Wegener (Manzke KSR GmbH), Janine Meinsen (LBEG), Johanna Thamm (GLA HH) et al.)
Die aktive Sandgrube K 28 bei Volksdorf im Landkreis Lüneburg liegt naturräumlich in der Geestlandschaft südlich der Elbeniederung. Es werden glazifluviatile Sande des Drenthe-Stadiums im Trockenabbau durch die Firma Manzke KSR GmbH Volksdorf gewonnen. Die Firma betreibt mehrere Sandgruben im Umkreis und ermöglicht spannende Einblicke in die Abläufe des Sandabbaus. Dabei werden nicht nur die technischen Abläufe und die eingesetzten Maschinen vorgestellt, sondern auch die zahlreichen gesetzlichen Vorgaben und Umweltanforderungen erläutert, die beim Sandabbau zu beachten sind. Ergänzend wird ein Einblick in das Thema Rekultivierung anhand der etwa drei Kilometer südlich gelegenen, ehemaligen Abbaustätte Gifkendorf gewährt. Heute sind in der Landschaft kaum noch Spuren des ehemaligen Bodenabbaus zu erkennen. Bildmaterial aus der Zeit des Abbaus verdeutlicht eindrucksvoll, wie die Rekultivierung die zuvor durch den Abbau geprägte Umgebung nachhaltig verändert hat.
In der Grube des Kieswerk Lütchens GmbH & Co. KG bei Tangendorf werden Schmelzwassersande und Beckensande gewonnen. Verbreitet treten hier glazilakustrine Beckentone und Beckenschluffe auf, die aufgearbeitetes älteres Material enthalten und die teilweise intensiv gravitativ verstellt sind. Die anstehenden Schmelzwassersande haben örtlich die Beckensedimente aufgearbeitet. In den Schmelzwassersanden finden sich zahlreiche Toteishohlformen mit unterschiedlicher Füllung.

E5 - Geogefahren Lüneburg
Exkursion nach Lüneburg zur Erkundung von Mesozoikum, Salztektonik, historische Soleförderung und durch Subrosion bedingten Georisiken (Dr. Thomas Nix et al., LBEG)
Die Exkursion nach Lüneburg führt in eine der geologisch und bergbaugeschichtlich interessantesten Regionen Norddeutschlands. Zunächst werden Aufschlüsse und geologische Strukturen betrachtet, die Einblicke in ehemalige Ablagerungsräume mesozoischer Gesteine geben. Dabei wird die regionale Entwicklungsgeschichte des norddeutschen Beckens erläutert und der Einfluss der Salztektonik auf die Lagerungsverhältnisse der Gesteinseinheiten aufgezeigt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die jahrhundertelange Salzgewinnung und die damit verbundene Aussolung des Salzstocks. Die wirtschaftliche Bedeutung der Saline für die Stadtentwicklung Lüneburgs wird ebenso thematisiert wie die geologischen Folgen der intensiven Soleförderung. Durch die Salz-Nutzung entstanden unterirdische Hohlräume und Umlagerungsprozesse, die bis heute das Stadtgebiet prägen. Prozesse der Subrosion, Verkarstung und die Bildung von Erdfällen werden an ausgewählten Beispielen erläutert. Ein Rundgang durch die historische Altstadt zeigt die teilweise erheblichen Bauschäden an Gebäuden und Infrastrukturen, die infolge von Setzungen und Bewegungen des Untergrundes entstanden sind. Die Exkursion bietet einen anschaulichen Einblick in das Zusammenspiel von Geologie, Bergbaugeschichte, Stadtentwicklung und Georisiken.

E6 - Lägerdorf (Schleswig-Holstein)
Zur Geologie der Schreibkreidegruben bei Lägerdorf (Dr. Alf Grube - GLA HH & Dr. Alexander Iwanoff)
Die Schreibkreidegruben bei Lägerdorf, Schleswig-Holstein gehören zu den bedeutendsten geologischen Aufschlüssen Norddeutschlands. Die Exkursion wird in zwei Tagebaue, einen aktiven und einen aufgelassenen, führen. Neben klassischen geologischen, sedimentologischen und tektonischen Aspekten werden auch verschiedene Angewandte geologische Gesichtspunkte adressiert. Der Kern der Münsterdorfer Geestinsel bei Lägerdorf besteht aus Schreibkreide, die hier durch zwei Unternehmen als Zuschlagsstoff für die Herstellung von Zement, Kunststoffen, Farben, Papier u.v.a.m abgebaut wird (ca. 1,5 Mio. Tonnen / Jahr). Die Hochlage der Oberkreide ist durch salinartektonisch aufsteigende, doppelsalinare Perm-Ablagerungen zu erklären, deren Top vermutlich durch Anhydrit aufgebaut wird. Die Unterkreide fehlt wahrscheinlich, die Mächtigkeit der Oberkreide-Sedimente wird mit ca. 350 - 450 m angenommen. Die Schreibkreide wird hier 350-450 m mächtig. Die Schichten sind durch komplizierte Störungen und Störungszonen durchzogen. Die Störungen wurden überwiegend extensiv, auf dem aufdringenden Salzstock, als spröde Deformationen angelegt.
Angewandte Aspekte beinhalten die zum Liegenden hin zunehmenden Salzgehalte, die die Tiefe des möglichen Abbaus einschränken sowie eine Erlaubnis auf die Aufsuchung von Steinsalz. Komplexe geotechnische Probleme ergeben sich aus der unmittelbaren Nachbarschaft einer Landesstraße und eines Kanals zur Böschung einer Kreidegrube. Aspekte der flächenhaften Landsenkung auf Weichschichten sind für die landwirtschaftliche Nutzung in der Störniederung von Bedeutung. Beim Abbau in der Grube Heidestraße wurden Störungssysteme angefahren, die zeitweise für einen sehr großen Grundwasserzutritt zum Abbau sorgten und entsprechende Probleme bereiteten.

E7 - Geothermie Wilhelmsburg, Energieberg Georgswerder
Erneuerbare Energien in Hamburg (Dr. Carsten Hansen, ConsulAqua Hamburg & Thomas Haupt, GLA HH)
Die Geothermiebohrung Wilhelmsburg ist die erste fündige Geothermieanlage im Raum Hamburg, die in Produktion geht. Von der Projektierung bis zur Inbetriebnahme waren eine Vielzahl an Schritten erforderlich, beginnend mit der Standortsuche bis zur Anpassung der Produktivsetzung in der mitteltiefen Geothermie.
Der Energieberg Georgswerder ist ein Symbol der Transformation einer der größten Industriemülldeponien in Deutschland zu einem öffentlich zugänglichen Ort mit Schwerpunkt erneuerbare Energien. Neben der Nutzung des entstehenden Deponiegases trägt der Berg eine Windkraftanlage und eine Freiflächen Photovoltaik-Anlage. Heute wird der Energieberg Georgswerder als Lern- und Erlebnisort für alle unter dem Motto Abfall entdecken, verstehen und erleben durch die Stadtreinigung Hamburg betrieben.

